howland's blog

die Gedanken sind frei… 13. Juli 2013

Filed under: Cartoons — wieland1 @ 9:41 am

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Wie glücklich sind wir Deutschen?

Filed under: to think about — wieland1 @ 9:35 am

 

 KOMMENTARE

UNICEF-Kinderstudie

Für Glück hab ich grad keine Zeit

Von JOHANN VOLLMER

Das glücklichste Volk der Erde? Schwer zu sagen. Kommt ganz auf die Sichtweise an. Fragt man wie die Forscher des „World Happiness Report” nach Wohlstand, Gesundheitsvorsorge und sozialer Sicherheit, liegen die Dänen und ihre skandinavischen Nachbarn ganz vorne. Deutschland landet hier weltweit auf Rang 30. Es geht uns also gut. Einigermaßen. Wir können nicht klagen. Danke der Nachfrage.

Verändert man die Definition des Glücks, rutschen sämtliche Industrienationen aus den Top Ten. Im vergangenen Jahr fragten Forscher bei einer globalen Umfrage anders. Kindlicher. „Haben Sie gestern gelächelt oder gelacht?”, „Hat man Sie den ganzen Tag lang gut behandelt?”, „Waren Sie ausgeruht, haben Sie etwas Interessantes erlebt, haben Sie den Tag genossen?” Glücklich ist hier, wer in den verarmten Ländern Panama, Paraguay oder El Salvador lebt. Die Deutschen? Ein Volk von sorgenvollen Grüblern, abgeschlagen auf Platz 47.

Glück, so scheint es, ist keine deutsche Tugend. Anders als die Amerikaner, die in ihrer Verfassung Leben, Freiheit und das Streben nach Glück („pursuit of happiness“) zu den unveräußerlichen Rechten des Menschen zählen, taucht in den mehr als 12.000 Wörtern des deutschen Grundgesetzes der Begriff „Glück” nicht einmal auf. Stattdessen belächeln wir entrückte Länder wie Bhutan (im Glücklichkeitsranking auf Rang 8), das die Mehrung des „Bruttosozialglücks” in der Verfassung verbrieft hat.

Glückszustände fallen bei uns schon eher unter das Rauschmittelgesetz. Schützenswert ist das persönliche Glück schon gar nicht. Wen wundert es also, dass uns die Kinderstudie der UNICEF ein verheerendes Zeugnis ausstellt. In keinem anderen Industrieland der Welt ist die Kluft zwischen objektiven Entwicklungschancen und subjektivem Unglücksempfinden bei Jugendlichen so groß wie in Deutschland. Noch machen wir es uns leicht. Kinder sind halt so, wankelmütig, das legt sich schon, wenn der Ernst des Lebens beginnt.

Dabei ist die UNICEF-Studie für die Gesellschaft bedeutender als jeder internationale Leistungstest über Rechen-oder Rechtschreibqualitäten der Jüngsten. Denn entweder ist der Nachwuchs nur der Seismograph für eine gesellschaftliche Krise, die die Erwachsenen nur noch nicht wahrhaben wollen. Oder – viel wahrscheinlicher – unser beständiges Krisendenken hat sich wie eine schwarze Wolke über die Kindheit in diesem Land gelegt.

Das deutsche Wunschdenken nach Planbarkeit von Lebensläufen lässt immer weniger Platz für Freiheit und Unbeschwertheit. Zeit zum Glücklichsein, zum Kindsein gerne, aber nach den Hausaufgaben. Wir verwandeln unsere eigenen Zukunftsängste in Leistungsdruck, wissen immer, was das Beste ist – und wehe, der Englischunterricht hat nicht mit drei Jahren begonnen. Wir debattieren über Kinder als Kostenfaktoren, Zeitdiebe und Karrierekiller. Statt zu sorgen, sorgen wir uns. Es wird Zeit, den Kindern etwas Freiheit und Vertrauen zurückzugeben. Dieses Land ist lebenswert., Wir müssen es nur selbst wieder vorleben.

johann.vollmer@ ihr-kommentar.de

 

Zum Thema „Evolution und Schöpfung“

Filed under: Religion, Philosophie etc. — wieland1 @ 9:30 am

 

„Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen können.”

Albert Einstein (1879-1955), deutscher Physiker

„Selbst die aller einfachste Art von Zelle, die wir kennen, ist so komplex, dass wir unmöglich annehmen können, ein solches Gebilde sei einfach so urplötzlich durch irgendein unberechenbares und höchst unwahrscheinliches Zufallsereignis entstanden. Das wäre gleichbedeutend mit einem Wunder.”

Michael Denton, britisch-australischer Autor und Biochemiker

„Es ist absolut unsinnig zu glauben, dass eine lebendige Zelle von selbst entsteht, aber dennoch glaube ich es, denn ich kann es mir nicht anders vorstellen.”

Ernest Kahane (1903-1996), rumänischer Biochemiker

„Die Evolution ist eine weltweit anerkannte Theorie; nicht weil sie bewiesen werden könnte, sondern weil sie die einzige Alternative zur Schöpfung ist, an die wir nicht glauben wollen.”

James D. Watson, US-amerikanischer Biochemiker

 

Das umstrittene Sühnopfer 25. Mai 2013

Filed under: Kirche und Theologie — wieland1 @ 5:51 am

Ein wichtiger Artikel zum Gespräch mit Muslimen, aber auch mit vielen gläubigen Christen, die immer noch im Kreuz das Mittel sehen mit dem der „Zorn Gottes“ besänftigt werden sollte – Gott also seinen Sohn bestraft hätte, damit wir freien Zugang zu ihm hätten….aber – lest selber….

Mit der Aussage, dass Jesus als Sühnopfer für unsere Sünden gestorben sei, haben heute manche Christen ihre Probleme. „Steht Gott auf Blut?“, fragen die einen provokativ. Ist er in seiner Ehre gekränkt, und kann sein Zorn nur durch das blutige Opfer seines Sohnes besänftigt wer-den?”, reiben sich andere an der vermeintlichen Sühnopfertheorie. Tatsächlich ist es so, dass im Anschluss an die Satisfaktionslehre des Kirchenvaters Anselm von Canterbury (1033—1109) in den Kirchen lange gelehrt und geglaubt wurde, dass das Opfer Jesu vor allem notwendig gewesen sei, um Gottes Zorn zu stillen und ihn zu versöhnen. Verständlich ist diese Deutung auf dem Hintergrund des jüdischen Opferkults. Da haben die Israeliten nach genau festgelegtem Ritus ihr Sündopfer zu bringen, um ihre Schuld vor Gott abzuwaschen und der Vergebung gewiss zu werden. Doch bei dem Opfer, das Jesus vollbringt, verhält es sich genau andersherum: Nicht Gott muss versöhnt werden, sondern Gott versöhnt durch den Tod Jesu die Menschen, die ihn verlassen, verdrängt und vergessen haben, mit sich selbst (vgl. 2. Korinther 5,19).

Gott ergreift die Initiative: Er selbst ist Subjekt und nicht Objekt des Opfergeschehens auf Golgatha. Gott selbst begibt sich in seinem Sohn Jesus Christus in unsere Schuldgeschichte und nimmt sie samt ihrer Konsequenz, dem Tod, stellvertretend am Kreuz auf sich. Der Heidelberger Theologe Wilfried Härle bringt es auf den Punkt: „Das Besondere und Charakteristische der Rede vom (Sühn-)Opfer im Neuen Testament besteht gerade darin, dass nicht mehr wir Menschen Gott Opfer bringen, um ihn gnädig zu stimmen, sondern dass Gott sich in Jesus Christus zu unsern Gunsten, uns zuliebe opfert.” Fragen wir nach dem entscheidenden Motiv, das dieses Opfer unumgänglich nötig macht, so stoßen wir in der Bibel immer wieder auf Gottes nicht kleinzukriegende Sehnsucht und Liebe zu seinen ihm entfremdeten und auf Abwege geratenen Menschenkindern. Um sie in die vertrauensvolle Gemeinschaft mit sich selbst zurück-zugewinnen, ist Gott selbst zum Äußersten bereit: seinen Sohn zu opfern. Das Sühnopfer ist vor allem ein Liebesopfer.

Musste es unbedingt das brutale Kreuz sein?

Aber musste Jesus diesen grausamen Tod am Kreuz sterben, damit unser Verhältnis zu Gott wieder ins Reine kommt und wir — von Schuld und Strafe frei — aufatmen können? Hätte sich dieses Ziel nicht auch ohne solche brutalen Begleitumstände erreichen lassen? Lind: Wiegen unsere Schuld und Gottes-ferne wirklich so schwer, dass es keine andere Lösung als dieses blutige Opfer dafür gab? Jesus hat genau diese Fragen in seinem einsamen Ringen mit Gott kurz vor seiner Verhaftung und Hinrichtung in Gethsemane gestellt: „Vater, muss ich diesen bitteren Todeskelch wirklich austrinken? Gibt es keinen an-deren Weg, die Schuld der Menschen wegzuräumen und sich mit ihnen zu versöhnen?” Und Gott hat seinem Sohn klargemacht: „Mein Sohn, es muss sein. Es gibt keinen anderen Weg, die Menschheit zu erlösen!” Darum — und nur darum ist Jesus im Gehorsam den schweren Weg ans Kreuz gegangen. Für uns. An unserer Stelle. Zu unsern Gunsten.

Ja. „damit wir Frieden hätten”!

Mag sein, dass wir als aufgeklärte Menschen, beseelt von einem vom Humanismus geprägten Menschenbild, unsere Lage weit weniger dramatisch ein-schätzen. Nun gut, niemand ist vollkommen, wir sind fehlsame Menschen, die ab und an auf die Großzügigkeit anderer und ihr verzeihendes Wort an-gewiesen sind. Und da dürfen wir doch auch damit rechnen, dass Gott ein Auge zudrückt und uns verzeiht — oder?! Doch Gottes Analyse fällt ganz anders aus: Bei ihm wird menschliche Schuld und Bosheit weder bagatellisiert noch verdrängt. Sie ist in seinen Augen eine Realität, die unser Leben vergiftet und zerstört und der nicht mit augenzwinkernder Nettigkeit beizukommen ist, sondern nur mit einer zu allem entschlossenen letzten Kraftanstrengung. Noch einmal der Theologe Wilfried Härle: „Das Kreuz Christi steht für die Arbeit und Mühe, die Menschen Gott mit ihren Sünden machen, die er um seinetwillen tilgt und ihrer nicht mehr gedenkt (Jesaja 43,24f). Damit steht das Kreuz für die göttliche Möglichkeit und Wirklichkeit, dass Böses mit Gutem vergolten werden kann, damit wir Frieden hätten (Jesaja 53,5).”            •

 

Wir reden von „Alters-Armut“………. 13. Mai 2013

Filed under: to think about — wieland1 @ 6:36 pm

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Israel — 65 Jahre jung

Filed under: Israel und Naher Osten — wieland1 @ 6:33 pm

65 Jahre nach der Staatsgründung Israels lohnt es sich, seine Entwicklung noch einmal „revue passieren“ zu lassen

von Egmond Prill

Am 5. Ijar 5708 jüdischer Zeitrechnung wurde im Alten Museum in Tel Aviv der „Staat Israel` ausgerufen. Dass der Staat 65 Jahre später, jetzt im April 2013 christlicher Zeitrechnung, noch immer existiert, war am Anfang nicht abzusehen.

Nüchtern soll es damals die US-Administration beurteilt haben: Das jüdische Abenteuer im Nahen Osten werde die nächsten Wochen nicht überleben. Das war keine weltfremde Einschätzung. Die Ausrufung des Staates Israel geschah in einer Zeit heftiger Kämpfe im ganzen Land, die am 15. Mai in den ersten Nahostkrieg mündeten. Da griffen reguläre Truppen aus Ägypten, Syrien, Jordanien, dem Libanon und ein Kontingent aus dem Irak den „Judenstaat` an. Für die rund 600.000 Juden im ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina sah es nicht so aus, als würden sie diesen Krieg überstehen und einen Staat Israel dauerhaft halten können. Am 29. November 1947 hatte die UN-Vollversammlung mit Mehrheit dem Teilungsplan für Palästina zugestimmt, wobei an dem Tag schon absehbar war, dass alle umliegenden arabischen Staaten und weitere Länder der islamischen Welt dieses Ergebnis bekämpfen würden.

Wenig Freunde — viele Feinde

Die Gründung Israels 1948 geschah im Schatten des Zweiten Weltkrieges, der viele Landkarten veränderte. Die USA hatten politische Großbaustellen in Europa und im Fernen Osten. Amerika hatte an allen Fronten gesiegt, doch neue Gegner formierten sich. Das Sowjetreich ragte bis an die Elbe und im Schulterschluss mit China sammelte sich die halbe Welt unter der roten Fahne des Kommunismus.

Dazwischen lag der Orient mit dem Experiment „Israel”. Der Westen konnte sich kaum um den aufkommenden Nahostkonflikt kümmern und wollte es wohl auch nicht. Großbritannien war dabei, das Kolonialreich zu verlieren. Das Empire zerbröselte. Für die Engländer waren Afrika und vor allem der indische Subkontinent im Blick. Aber Israel? Zu bedenken ist: Die Alliierten hatten bis 1945 halb

Deutschland mit Bomben umgepflügt. Es gab kaum eine Stadt, die unversehrt geblieben war. Wenige Wochen vor Kriegsende wurde in einem barbarischen Feuersturm das völlig überfüllte Dresden zerstört. Doch nie wurden Bahnlinien nach Auschwitz bombardiert. Die Züge rollten nahezu unbehindert, die Öfen brannten bis zuletzt. Die Welt hatte wenig Interesse für Juden gezeigt. Nach Kriegsende waren Überlebende bald darauf in neuen Zwängen. Jüdische Flüchtlinge, die übers Mittelmeer ins Land wollten, wurden oft abgefangen und auf Zypern interniert. Doch anders als im legendären Buch „Exodus” fuhren ihre Schiffe nicht nach Palästina, sondern mussten nach Hamburg.

Doch dann wurde das Wunder Wirklichkeit: Entgegen arabischer Ankündigungen konnten die Juden nicht ins Meer getrieben werden. Israel hat den ersten Nahostkrieg überstanden und weitere Kriege sowie anhaltenden Terror. Der Staat hat sich entwickelt, was unter die-sen Bedingungen auch als Wunder gelten darf. Aus einer rückständigen Region, die bis 1917 zum Osmanischen Reich gehörte, wurde ein modernes Gemeinwesen westlicher Prägung. Grundgesetzliche Regelungen geben den Menschen demokratische Freiheiten. Eine starke Armee und ein großer Sicherheitsapparat bieten aus-reichend Schutz für Land und Volk.

Moderner Staat – alter Konflikt

Hier in Deutschland sehen wir Israel meist durch die Brille medialer Meinungsmacher. Es geht meist nur um Siedler und Siedlungen, um Terror und den Palästina-Konflikt. Doch Israel ist mehr: Nahezu geräuschlos hat Israel in den vergangenen Jahren die weltweite Bankenkrise gemeistert. Der Schekel war durch kluge Finanzpolitik weit weniger betroffen als andere Währungen. Die Entwicklung der Industrie setzt Maßstäbe, vor

allem im Hightech-Bereich. Der USB Stick stammt aus Israel. Bestimmte Prozessoren in unseren Smartphones sind israelische Entwicklungen, ebenso Komponenten der Navigationssysteme. In der Medizin, vor allem der Altersmedizin, ist Israel weltführend. Die Wüsten-Landwirtschaft gleicht einem Wunder. Andererseits gibt es Probleme im Land. Der Mittelstand hat zu knabbern. In den vergangenen Jahren gab es Massenpro-teste im ganzen Land. Tausende waren auf der Straße. Viele klagen heute: Sprit ist zu teuer, ebenso Energie und Lebens-mittel. Die Integration bleibt eine Aufgabe und die Umbrüche in der arabischen Welt sind eine große Herausforderung.

Israels Bevölkerung hat die acht Millionen überschritten. Mehr als sechs Millionen Juden leben im Lande. Daneben Araber christlichen und islamischen Glaubens, Drusen, Tscherkessen und andere. Gerade Araber erklären nicht selten, dass sie lieber in Israel als in jedem arabischen Staat leben wollen. Das sagen gelegentlich auch Araber, die in besetzten Gebieten leben. Keine Frage, Besatzung muss niemand schön reden, erst recht nicht Härten und Übergriffe. Das israelische Angebot „Land für Frieden” vom Sommer 1967 hat die Lösung leider nicht gebracht. Die Palästinenserführer wollten und wollen beides nicht – weder Land noch Frieden. So bleibt für Israel der Makel einer Besatzungsmacht, denn Israel will wohl Frieden, aber nicht das Land und vor allem nicht dessen Bevölkerung. Der Konflikt besteht.

Der „Staat Israel” ist gerade 65 Jahre jung und kann doch auf eine Jahrtausende zählende Geschichte zurückblicken. Am Anfang, so schreibt die Bibel, waren eine Erwählung und eine Befreiung durch einen Gott, der sich als Herr der Weltgeschichte vorstellt. Dieser Gott hat zu dieser Erwählung gestanden und sich als Gott Israels mit Land und Volk verbunden. Und so wird das jüdische Abenteuer im Nahen Osten Zukunft haben.

 

Menschenrechte und Islam

Filed under: Religion, Philosophie etc. — wieland1 @ 6:28 pm

Sind Islam und Menschenrechte miteinander vereinbar?

In vielen Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung ist es mit den Menschenrechten nicht zum Besten bestellt. Die Verfassungen der arabischen Länder berufen sich vielfach ausdrücklich auf die Scharia als wesentliche oder sogar einzige Quelle der Gesetzgebung – die dann in der Praxis meist nur im Zivilrecht gilt. Ist die Berufung auf das Scharia-Recht die Ursache für fehlende Freiheitsrechte?

Von Christine Schirrmacher

Wenn sich so viele Menschen in arabischen Staaten mehr Freiheitsrechte wünschen und mutig dafür kämpfen, woran liegt es dann, dass dort die Menschenrechte solch ein Schattendasein führen? Sind dafür politische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen verantwortlich oder hat dieser Umstand auch mit dem Thema „Islam” zu tun?

Bevor diese Frage beantwortet werden kann, muss zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff der „Menschenrechte” jeweils verstanden wird: Während westliche Vorstellungen der Menschenrechte inhaltlich von der Allgemeinen Erklärung der Menschen-Rechte von 1948 geprägt sind, geben im islamisch geprägten Kulturkreis Erklärungen wie etwa die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte” den Ton an. Die Kairoer Erklärung wurde am 4. August 1990 von 45 Außenministern der ins-gesamt 57 Mitgliedsstaaten der „Organisation für Islamische Zusammenarbeit” (OIC) verabschiedet. Die OIC, am 25. September 1969 in Rabat gegründet, erklärt darin die Scharia zur einzigen

Grundlage für die Gewährung von Menschenrechten. Die Erklärung erläutert in ihren insgesamt 25 Artikeln Frauen-, Minderheiten- und Menschenrechte, die allerdings nur insofern gewährt werden sollen, wie sie mit der Scharia in Übereinstimmung stehen (Art. 25): Es heißt dort etwa, dass die Frau „dem Mann an Würde gleich” ist (Art. 6) – offensichtlich nicht aber an Rechten. Auch das Recht auf Leben steht in Artikel 2a unter Scharia vorbehalt: „es ist verboten, einem anderen das Leben zu nehmen, außer wenn die Scharia es verlangt” – was etwa bei Ehebruch oder Apostasie (Abtrünnigkeit von Allah) der Fall ist.

Problematisch ist die Absolutsetzung des Scharia rechts für jeden Lebensbereich, die fehlende Konkretisierung der eingeräumten Rechte, die einseitig islamrechtlichen Begründungen der Menschenrechte, sowie das Schweigen zu Themen wie volle Religionsfreiheit oder Gleichberechtigung von Muslimen und Nicht-Muslimen.

 Was hindert die Entwicklung der Menschenrechte?

Einige Vorkämpfer der Menschenrechte im arabischen Raum vertreten die Auffassung, der Islam sei mit Menschenrechten vereinbar…Andere Reformer sind der Auffassung, der Islam sei, so wie er sich heute als religiöses, gesellschaftliches und politisches System darstellt, grundsätzlich nicht mit Menschenrechten und Demokratie vereinbar. Zu ihnen gehört Mahmud Muhammad Taha (geb. 1909 oder 1911), der Gründer der Republikanischen Bruderschaft im Sudan. Aus seiner Sicht kann der Islam nur dann Frieden, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Demokratie und Freiheit bringen, wenn er lediglich eine Nachahmung des mekkanischen (unpolitischen) Frühislam der Jahre 610 bis 622 nach Christus ist, alsoj mehr ethisches System. Wenn sich die Praxis des Islam jedoch an der medinensischen (politischen) zweiten Lebensepoche Muhammads 622 bis 632 nach Christus orientiere, sei dies nicht friedensfähig.

Allerdings haben die Verfechter solcher Ansätze insgesamt wenig Einfluss und Anhänger. Wer derartige moderate Auffassungen offensiv vertritt, erleidet häufig Diskriminierung und Verfolgung, ein Verbot seiner Schriften oder sogar den Tod. Leider hat sich das in den Ländern der arabischen Revolutionen noch nicht grundlegend geändert. Auch von neuen Regimen, die unter dem Anspruch angetreten waren, Freiheit zu verwirklichen, wurden bereits vielfach Blogger, Demonstranten, Künstler, Frauen und Andersdenkende verhaftet, misshandelt, inhaftiert und schikaniert.

Bislang wird die Scharia als Kompendium von Geboten aus der Zeit des 7. bis 10. Jahrhunderts nach Christus der Arabischen Halbinsel von der etablierten Theologie als unaufgebbares Gottesgesetz gelehrt. Muhammad gilt als nicht hinterfragbares zeitloses Vorbild, nicht nur in religiösen Belangen, sondern auch in seiner Funktion als Gesetzgeber und Heerführer. Solange sich das nicht ändert, werden Meinungs- und politische Freiheiten, Gleichheitsrechte von Frauen und Männern, Muslimen und Nicht-Muslimen, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, Gewissens- wie Religionsfreiheit in islamisch geprägten Ländern nicht gedeihen können.

So lange eine möglichst getreue Nachahmung der arabischen Gesellschaft des 7. Jahrhunderts nach Christus etwa von der in Ägypten regierenden Muslimbruderschaft als gleichbedeutend betrachtet wird mit Gerechtigkeit, Fortschritt und wahrer Zivilisation, ist eine kritische Auseinandersetzung mit den Ansprüchen des Schariarechts nicht zu erwarten. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch die offizielle Theologie einer historisch-kritischen Betrachtung der Scharia in absehbarer Zeit zu öffnen beginnt.